“Nachfolge” im Lockdown (Tag 57)

Previously:


Es muß nun dahin kommen, daß sich der Mensch durch selbsterteilte Sündenvergebung in seinem Ungehorsam verstockt, daß er vorgibt, das Gute und das Gebot Gottes nicht erkennen zu können. Es sei zweideutig und lasse mancherlei Auslegungen zu. Das anfänglich noch klare Wissen um den Ungehorsam verdunkelt sich mehr und mehr und wird zur Verstockung. Hier hat sich der Ungehorsame selbst so verfangen und verstrickt, daß er das Wort nicht mehr hören kann. Hier kann in der Tat nicht mehr geglaubt werden.

It is now the case (lit: it must now come there) that the person through self-declared forgiveness of sins, becomes hardened in his disobedience, that he pretends not to be able to recognise the good and the commandments of God. It is ambiguous and is open to manifold interpretations. The initially still clear knowledge of disobedience darkens itself more and more and becomes hardening. Here the disobedient person has so caught and entangled himself, that he no longer can hear the Word. Here, indeed, it can no longer be believed.

Es wird sich dann zwischen dem Verstockten und dem Seelsorger etwa folgendes Gespräch ergeben: „Ich kann nicht mehr glauben.“ – „Höre das Wort, es wird dir gepredigt!“ – „Ich höre es, aber es sagt mir nichts, es bleibt mir leer, es geht an mir vorbei.“ – „Du willst nicht hören.“ – „Doch, ich will.“ –

There is then, between the hardened person and pastor (lit: soul carer), the following conversation:

“I cannot believe any more.”

“Hear the Word, it is preached to you!”

“I heard it, but it says nothing to me, it remains empty to me, it goes past me.”

“You do not want to hear.”

“Yes, I want to.”

Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem das seelsorgerliche Gespräch meist abbricht, weil der Seelsorger nicht weiß, woran er ist. Er kennt nur den einen Satz: Nur der Glaubende ist gehorsam. Mit diesem Satz vermag er dem Verstockten nicht mehr zu helfen, der eben diesen Glauben nicht hat und nicht haben kann.

Now the point is reached where the pastoral conversation usually breaks off, because the pastor does not know, where he is. He knows only the first statement: “only the believer is obedient.” With this statement he is no longer able to help the hardened, who this very belief does not have, and cannot have.

Der Seelsorger meint also schon hier vor dem letzten Rätsel zu stehen, daß Gott dem einen den Glauben schenkt, den er dem anderen versagt. Mit diesem Satz wird dann kapituliert. Der Verstockte bleibt allein und beklagt resigniert weiter seine Not. Aber gerade hier liegt der Wendepunkt des Gesprächs. Die Wendung ist eine totale. Es wird nicht mehr argumentiert, die Fragen und die Nöte des Anderen werden nicht mehr letztlich ernstgenommen, dafür um so mehr der Andere selbst, der sich hinter ihnen verbergen will.

So the pastor already says he is faced with the ultimate riddle, that God gives faith to one, that he denies to the other. With this sentence, capitulation is then made. The hardened person remains alone and continues to lament in resignation his mesery. But here lies precisely the turning-point of the conversation. The turnaround is total. There is no more argumentation, the questions and the needs of the other are no longer ultimately taken seriously, but all the more the other person himself, who wants to hide behind the [questions].

“Nachfolge” im Lockdown (Tag 56)

Bonhoeffer now shows what a misuse of “only the believer obeys” (without also understanding “only the obedient [enter the place where they] believe” results in, pastorally.

Previously:


Von hier aus dürfen wir nun einen Blick tun in die christliche Seelsorge. Es ist für den Seelsorger von großer Wichtigkeit, daß er aus der Kenntnis beider Sätze spricht.

From here we may now get (lit: make) a view of Christian pastoral care (lit: soul care). It is for the pastoral care, of great importance that one speaks out of the confession of both statements [“only the believer is obedient / only the obedient believe”].

Er muß wissen, daß die Klage über den Mangel an Glauben immer wieder aus bewußtem oder schon nicht mehr bewußtem Ungehorsam kommt, und daß dieser Klage allzu leicht der Trost der billigen Gnade entspricht. Dabei bleibt aber der Ungehorsam ungebrochen, und das Wort von der Gnade wird zu dem Trost, den sich der Ungehorsame selbst zuspricht, zu der Sündenvergebung, die er sich selbst erteilt. Damit aber wird ihm die Verkündigung leer, er hört sie nicht mehr.

He must know, that the lament about the lack of faith always comes from conscious or no-longer-conscious disobedience, and that this lament is all to easily met by the comfort of cheap grace. But the disobedience remains unbroken, and the word of grace becomes the comfort which the disobedience awards to himself, the forgiveness of sins which he gives to himself. But with it the proclamation becomes empty to him, he hears it no more.

Und ob er sich tausendmal die Sünden selbst vergibt, vermag er doch nicht an die wirkliche Vergebung zu glauben, eben weil sie ihm in Wahrheit auch gar nicht geschenkt worden ist. Der Unglaube nährt sich an der billigen Gnade, weiler im Ungehorsam beharren will. Das ist eine häufige Situation in der heutigen christlichen Seelsorge.

And even if he forgives his own sins a thousand times, he still is not able(?) to believe in real forgiveness, precisely because, in truth, it was not even given to him at all. The unbeliever nurtures himself in cheap grace, because he wants to insist upon disobedience. That is a common situation in today’s Christian pastoral care.

[W: Yes, it is, sadly.]


“Nachfolge” im Lockdown (Tag 55)

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In ihr wird die Situation gegeben, in der Glaube möglich wird und wirklich existiert. Also nicht es gibt, sondern Er gibt dir eine Situation, in der du glauben kannst. In jene Situation gilt es zu kommen, damit der Glaube rechter Glaube und nicht Selbstbetrug sei. Gerade weil es allein um das rechte Glauben an Jesus Christus geht, weil der Glaube allein das Ziel ist und bleibt („aus Glauben in Glauben“, Römer 1,17), ist diese Situation unerläßlich.

In it [the action of obedience] the situation is given in which faith becomes possible and really exists. Thus it is not it, but rather He gives you a situation where you can believe. It is valid to come to that situation, so that faith becomes true faith and not self-deception. Precisely because it is about right faith in Jesus Christ alone, because the goal is and remains faith alone (“from faith to faith”, Romans 1:17), this situation is essential.

Wer hier allzuschnell und allzu protestantisch protestiert, der muß sich fragen lassen, ob es nicht die billige Gnade sei, für die er spricht. Denn in der Tat können die beiden Sätze, wenn sie nur nebeneinander stehen bleiben, dem rechten Glauben nicht zum Anstoß werden, während freilich jeder für sich allein ein großes Ärgernis sein muß.

Those who here too quickly and too Protestantly protest, he must allow himself to be asked, whether it not be cheap grace, for which he speaks. Indeed in the action of the two sentences (“Only the believer is obedient”, and “only the obedient one believes”), because they only remain side by side, cannot be an offence to the right faith, while admittedly each must be a great nuisance on its own.

Nur der Glaubende ist gehorsam – das ist dem Gehorsamen im Glaubenden gesagt; nur der Gehorsame glaubt – das ist dem Glaubenden im Gehorsamen gesagt. Bleibt der erste Satz allein, so wird der Glaubende der billigen Gnade, d. h. der Verdammnis ausgeliefert; bleibt der zweite Satz allein, so wird der Glaubende dem Werk, d. h. der Verdammnis ausgeliefert.

“Only the believer is obedient” – that is said by the obedient in faith; “only the obedient believe” – that is said by the believer in obedience. If the first statement remains alone, then the believer becomes [of] cheap grace; i.e. delivered to damnation; if the second statement remains alone, then the faith is a work, i.e. delivered to damnation.  

“Nachfolge” im Lockdown (Tag 54)

Frohen Freitag!

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Hier wird der gnädige Ruf Jesu Christi in die Nachfolge zum harten Gesetz: Tue dies! Laß jenes! Komm heraus aus dem Schiff zu Jesus! Wer mit seinem Glauben oder seinem Unglauben seinen tatsächlichen Ungehorsam gegen den Ruf Jesu entschuldigt, zu dem sagt Jesus: Erst sei gehorsam, tue das äußere Werk, laß, was dich bindet, gib auf, was dich vom Willen Gottes scheidet!

Here the gracious call of Jesus Christ to discipleship becomes the firm command: Do this! Leave that! Come out of the boat to Jesus! Whoever, with his belief or his unbelief, excuses his actual disobedience to the call of Jesus, Jesus says to them: “First be obedient, do the outward work, leave what binds you, give up, what separates you from the will of God!

Sage nicht: Ich habe den Glauben dazu nicht. Du hast ihn solange nicht, als du in Ungehorsam bleibst, solange du den ersten Schritt nicht tun willst. Sage nicht: Ich habe ja den Glauben, ich brauche den ersten Schritt nicht mehr zu tun. Du hast ihn nicht, solange und weil du den Schritt nicht tun willst, sondern dich im Unglauben unter dem Schein des demütigen Glaubens verstockst.

Do not say: I have no belief. You do not have it so long as you reamin in disobedience, so long as you will not take the first step. Do not say: I have faith, I need no longer to take the first step. You do not have it, so long and because you will not do the step, but rather harden yourself in unbelief under the appearance of humble faith.

Es ist eine böse Ausflucht, vom mangelnden Gehorsam auf den mangelnden Glauben und vom mangelnden Glauben wieder auf den mangelnden Gehorsam zurück zu verweisen. Es ist der Ungehorsam der „Glaubenden“, dort wo ihr Gehorsam gefordert wird, ihren Unglauben zu bekennen und mit diesem Bekenntnis (Mk. 9,24) Spiel zu treiben.

It is an evil escape, to blame (lit: refer) lack of obedience to lack of faith, and from lack of faith to lack of obedience. It is the disobedience of the “believers”, where their obedience is demanded, to confess their unbelief and to play games with this confession (Mark 9:24).

Glaubst du – so tu den ersten Schritt! Er führt zu Jesus Christus. Glaubst du nicht – so tu eben denselben Schritt, er ist dir geboten! Die Frage nach deinem Glauben oder deinem Unglauben ist dir nicht aufgetragen, sondern die Tat des Gehorsams istdir befohlen und sofort zu tun.

You believe – so take the first step! It leads to Jesus Christ. You do not believe – so do just the same step, it is commanded to you. The question about your belief or your unbelief is not laid upon you; rather, the action of obedience is commanded you to do immediately.


“Nachfolge” im Lockdown (Tag 53)

Some hard words from Bonhoeffer.

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Du beklagst dich darüber, daß du nicht glauben kannst? Es darf sich keiner wundern, wenn er nicht zum Glauben kommt, solange er sich an irgendeiner Stelle in wissentlichem Ungehorsam dem Gebot Jesu widersetzt oder entzieht.

Do you lament yourself, that you cannot believe? No one should be surprised if he does not come to faith, so long as at any point in knowing disobedience he defies or evades the commandment of Jesus.

Du willst irgendeine sündige Leidenschaft, eine Feindschaft, eine Hoffnung, deine Lebenspläne, deine Vernunft nicht dem Gebot Jesu unterwerfen? Wundere dich nicht, daß du den heiligen Geist nicht empfängst, daß du nicht beten kannst, daß dein Gebet um den Glauben leer bleibt! Gehe vielmehr hin und versöhne dichmit deinem Bruder, laß von der Sünde, die dich gefangenhält, und du wirst wieder glauben können!

Do you not want some sinful passion, an enmity, a hope, your life plans, your reason, not to submit to the commandment of Jesus? Do not be surprised, that you do not receive the Holy Spirit, that you cannot pray, that your prayer for faith remains empty! Go rather and reconcile yourself with your brother, leave from the sin which imprisons you, and you will be able to believe/have faith again!

Willst du Gottes gebietendes Wort ausschlagen, so wirst du auch sein gnädiges Wort nicht empfangen. Wie solltest du die Gemeinschaft dessen finden, dem du dich wissentlich an irgendeiner Stelle entziehst? Der Ungehorsame kann nicht glauben, nur der Gehorsame glaubt.

If you wish to reject God’s commanding Word, then you will also not receive his gracious Word. How should you find the fellowship of that, which you yourself knowingly elude at any point? The disobedient can not believe, only the obedient believe/have faith.

[W: I’m noticing that just as Nachfolge in German is not easily translateable as either following or discipleship, Glauben is not so easily to distinguish between faith and belief. In English there are distinctions, but what about in German?]