I’m so grateful for these reflections through discipleship over three months of lockdown. Bonhoeffer concludes the chapter.


So ist ihm seine erste Position abgewonnen. Es folgt, abermals wie beim Jüngling, die Flucht in den ethischen Konflikt: Wer ist denn mein Nächster? Unzählige Male ist seither dem versucherischen Schriftgelehrten diese Frage gutgläubig und unwissend nachgesprochen worden, sie erfreut sich des Ansehens einer ernsten und vernünftigen Frage eines suchenden Menschen. Aber man hat den Zusammenhang nicht recht gelesen.

Thus his first position is extracted from him. What follows is, as with the young man, the flight into ethical conflict: who then is my neighbour? Countless times since then, this question from the scribe who tempts has been repeated is good faith and ignorance; it itself enjoys the prestige of a serious and reasonable question from a seeking person. But one has not rightly read the context.

Die ganze Geschichte vom barmherzigen Samariter ist eine einzige Abwehr und Zerstörung dieser Frage als einer satanischen durch Jesus. Sie ist eine Frage ohne Ende, ohne Antwort. Sie entspringt den „zerrütteten Sinnen derer, die der Wahrheit beraubt sind“, „die die Seuche der Fragen und Wortkriege haben“. Aus ihr „entspringt Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn, Schulgezänk“ (1. Tim. 6,4f.). Es ist die Frage der Aufgeblasenen, die „immerdar lernen und können doch nimmer zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“, „die den Schein eines gottseligen Wesens haben, aber seine Kraft verleugnen sie“ (2. Tim. 3,5ff.). Sie sind untüchtig zum Glauben, sie fragen so, weil sie „ein Brandmal im Gewissen haben“ (1. Tim. 4,2), weil sie nicht gehorsam sein wollen dem Worte Gottes.

The whole story of the good Samaritan is a unique defence and destruction of this question as satanic by Jesus. It is a question without an end, without an answer. It rises from the “depraved mind of those, who are deprived of the truth” (1 Tim 6:5), “those who have the plague of controversies and quarrels [lit: questions and word wars].” (1 Tim 6:4). From them “spring envy, dissension, slander, evil suspicions.” (1 Tim 6:4f). It is the question of the puffed up who “are always learning and yet can never arrive at the knowledge of the truth”, “who have the appearance of godly character, but deny its power.” (2 Tim 3:5ff). They are unfit for faith, they ask thus, because they “have a seared conscience” (1 Tim 4:2), because they do not wish to be obedient to the Word of God.

Wer ist mein Nächster? Gibt es eine Antwort darauf, ob es mein leiblicher Bruder, mein Volksgenosse, mein Bruder in der Gemeinde oder mein Feind sei? Läßt sich nicht eins wie das andere mit gleichem Recht behaupten und verneinen? Ist nicht das Ende dieser Frage Zwiespalt und Ungehorsam? Ja, diese Frage ist der Aufruhr gegen Gottes Gebot selbst. Ich will ja gehorsam sein, aber Gott sagt mir nicht, wie ich es kann. Gottes Gebot ist zweideutig, es läßt mich im ewigen Konflikt. Die Frage: was soll ich tun?, war der erste Betrug. Die Antwort ist: Tue das Gebot, das du weißt. Nicht fragen sollst du, sondern tun.

Who is my neighbour? It there an answer to it, whether it is my brother in the flesh, my comrade in the people, my brother in the church, or my enemy?  Should one note be asserted and denied with equal right as the other? Is not the end of this question discord and disobedience? Yes, this question is the rebellion against God’s commandment itself. I want indeed be obedience, but God doesn’t say to me, how I can. The commandment of God is ambiguous, it leaves me in eternal conflict.

Die Frage: Wer ist denn mein Nächster? ist die letzte Frage der Verzweiflung oder der Selbstsicherheit, in der der Ungehorsam sich rechtfertigt. Die Antwort ist: Du selbst bist der Nächste. Gehe hin und sei gehorsam in der Tat der Liebe. Nächster zu sein, ist nicht eine Qualifikation des Anderen, sondern ist sein Anspruch an mich, sonst nichts.

The question: “What should I do?” was the first deception. The answer is: Do the commandments, that you know. You should not ask, but do. The question: “Who then in my neighbour?” is the final question of despair or self-assurance, in which disobedience justifies itself. The answer is: You yourself ar the neighbour. Go and be obedient in the act of love. To be a neighbour, is not a qualification of another, but his demand on me, nothing else.

In jedem Augenblick, in jeder Situation bin ich der zum Handeln, zum Gehorsam Geforderte. Es ist buchstäblich keine Zeit dafür übrig, nach einer Qualifikation des Anderen zu fragen. Ich muß handeln und muß gehorchen, ich muß dem Anderen der Nächste sein. Fragst du abermals erschreckt, ob ich denn nicht vorher wissen und bedenken müsse, wie ich zu handeln habe, – so gibt es darauf nur die Auskunft, daß ich das nicht anders wissen und bedenken kann, als indem ich eben immer schon handle, indem ich mich selbst immer schon als den Geforderten weiß.

I learn what obedience is by obeying alone, not by asking questions. Only in obedience do I recognise the truth. From the dichotomy of conscience and sin, the call of Jesus to the simplicity of obedience meets us. But the rich young ruler was called by Jesus into the grace of discipleship; the scribe who tempts is pushed back into the commandment.

Was Gehorsam ist, lerne ich allein im Gehorchen, nicht durch Fragen. Erst im Gehorsam erkenne ich die Wahrheit. Aus dem Zwiespalt des Gewissens und der Sünde trifft uns der Ruf Jesu zur Einfalt des Gehorsams. Aber der reiche Jüngling wurde von Jesus in die Gnade der Nachfolge gerufen, der versucherische Schriftgelehrte wird zurückgestoßen ins Gebot.


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